Hm: 2500
Gesammtdistanz: 5200Km
Hitchhiking: 200Km
Carretera Austral Teil 2
Am Morgen als wir aus Coyahique hinausfuhren, empfing uns seit langer Zeit endlich wieder einmal Sonnenschein. Trotzdem war es aber immer noch sehr kühl. Das Gelände war sehr hügelig, die Landschaft aber sehr ansprechend. Am zweiten Fahrtag hatten wir einen Pass von 1100m Höhe zu bezwingen. Während der Abfahrt schneite es und wir waren froh als wir unten in einem Kleinen Dorf ankamen. Von dort an war es fertig mit Asphalt. Die üble Schotterpiste schlängelte sich durch dichten Urwald und an tiefgrünen Lagunen vorbei.
Da wir Neujahr gerne in einem Dorf verbringen wollten, hielten wir eines, der übrigens sehr seltenen, Autos an und liessen uns einige Kilometer nach Cochrane mitnehmen. Am Neujahrsabend gingen wir durch Menschenleere Strassen und bemerkten, dass kaum ein Restaurant geöffnet hatte. Schlussendlich fanden wir ein vornehmes Restaurant, wo wir ein Mehrgängemenu bekamen, um das beginnende Jahr entsprechend zu feiern.
Carretera Austral Teil 3
In unserem Fahrradführer hiess es, fünfzig Kilometer nach Cochrane gäbe es eine Schutzhütte mit Ofen, wo man übernachten könne. Da es immer noch sehr Kühl war und das Wetter wechselhaft, wollten wir in dieser Schutzhütte übernachten. Leider fanden wir diese auch nach längerem suchen nicht und so mussten wir im Zelt übernachten.
Am Morgen kamen wir aus dem Zelt geschlüpft und es regnete in Strömen. Wir wollten darum bis zur nächsten angeblichen Schutzhütte radeln, um dort unterzukommen. Wir hatten jedoch gehörige Zweifel an der Existenz dieser Hütte. Übrigens sahen wir auf dieser Strecke kaum Autos, geschweige denn Häuser, wo wir ein warmes Zimmer hätten finden können. Glücklicherweise kamen wir Abends völlig durchnässt und durchfroren bei der Schutzütte an. Dort konnten wir uns am Ofen aufwärmen und die nassen Sachen trocknen. Wir genossen es, in dieser verlassenen, menschenfeindlichen Gegend einen warmen Schlafplatz gefunden zu haben. Am darauffolgenden Tag führte uns die Strasse zu einer Fähranlegestelle. Abends um sieben waren wir dann auf der anderen Seite und wollten uns von einem der verschieden Fahrzeugen auf der Fähre ins 110 Kilometer entfernte Villa O'Higgins mitnehmen lassen. Da in zwei Tagen ein Schiff von dort Richtung Argentinien fahren würde und wir dringend einen Ruhetag nötig hatten, wollten wir diese Strecke nicht unter die eigenen Räder nehmen. Leider konnte uns an diesem Abend jedoch niemand mitnehmen. Da wir am nächsten Morgen auf eine neue Fähre mit neuen Autos hofften, übernachteten wir in der nähe der Anlegestelle. Pünktlich um elf Uhr morgens standen wir auf der Strasse bereit und hofften auf eine Mitfahrgelegenheit. Diese blieb jedoch wieder aus, kein einziges Fahrzeug kam an uns vorbei. Entmutigt fuhren zurück zur Fähranlegestelle. Dort warteten immer noch einige Autos und wir erfuhren, das die Fähre defekt sei und ausgefallen ist. Um ein Uhr erwartete man die zweite Fähre. Auf dieser waren nur gerade drei Fahrzeuge und alle fuhren entweder nicht nach O'Higgins oder hatten keinen Platz. Die Fähre fuhr erneut davon und wir standen noch immer dort, wo wir am vorherigen Tag angekommen waren. Nun viel uns auf, das ein grosses Fahrzeug noch immer dort stand und sich einige Arbeiter davor unterhielten. Wir fragten nach einer Mitfahrgelegenheit und bekamen eine ziemlich unfreundliche, beinahe feindliche Zusage. Erleichtert luden wir unsere Fahrräder auf und fuhren davon. Wenige Meter später stoppten wir wieder bei der ersten Verkehrstafel. Die Männer schrieben sich zu dieser einige Notizen auf und wir fuhren weiter. Nun hielten wir bei jeder Verkehrtafel, also ca. alle 500 Meter an. Nach ca. 40 minuten und lächerlichen 8 Kilometern kamen wir zu einer Häuseransammlung und die Männer stiegen aus und verschwanden in einem der Häuser. Uns ignorierten Sie dabei völlig und liessen uns im Auto zurück. Nach einigen Minuten wurde uns klar, das die Männer dort wohl Mittagspause machten. Nun hatten wir genug. Nach einigem Hin und Her, entschieden wir, uns nicht von diesen Typen verarschen zu lassen, luden unsere Räder auf und fuhren die Strecke zurück zur Fähre.
Wir hatten noch eine letzte Chance abends um sieben Uhr auf der letzten Fähre, ansonsten würden wir unser Anschlussboot in O'Higgins verpassen. Da wir an diesem Tag eigentlich bereits in Villa O'Higgins sein wollten, hatten wir keine Verpflegung mehr. Wir assen unsere Notrationen und schlugen die Zeit Tod bis es Abend wurde. Diesmal klappte es, ein Lieferwagen mit Ladefläche nahm uns mit. Glücklich stiegen wir mit unseren Rädern auf die Ladefläche, da es vorne keinen Platz mehr hatte. Während der Fahrt fing es zu unserem grossen Leid noch an zu Regnen und die Temperaturen sanken stark. Nach zweieinhalb Stunden kamen wir föllig durchgfrohren endlich in Villa O'Higgins an. Um ca. zehn Uhr abends bezogen wir endlich ein Hotel und die Inhaberin bereitete uns noch ein Nachtessen zu, welches wir zügig herunterschlangen. Beim anschliessenden Kaffee erfuhren wir, dass das Schiff am nächsten Tag bereits um halb neun Uhr Morgens fuhr. Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir zogen also nochmal los um uns einen Platz im Schiff zu reservieren. Anschliessend konnten wir in unserem Hotel, welches auch einen kleinen Laden beinhaltete noch unsere Vorräte auffüllen und fielen völlig kaputt ins Bett.
Frontera Chile - Argentinia
Am nächsten Morgen mussten wir noch ca. sieben Kilometer bis zum Hafen fahren. Auf dem Schiff, das absolut unverschämte 80 Franken pro Person kostet. Trafen wir auf zwei weitere Fahrradtourer aus der Schweiz. Wir unterhielten uns lange mit Ihnen und erfuhren, dass die Schiffsgeselschaft auf diese Saison den Besitzer gewechselt und die Überfahrt vorher nur gerade die Hälfte gekostet hat. Gegen Ende der Fahrt zur Zollstation wurde es ziemlich stürmisch und wir wurden ganz schön durchgeschüttelt.
Nun erwartete uns ein sehr abenteurlicher Grenzübergang nach Argentinien. Dieser führt über einen Pass zum Lago Desierto und später zum Ort El Chalten. Die Strasse ist durchgehend sehr schlecht und acht Kilometer davon sind lediglich ein Trampelpfad. Wir kamen anfangs gut voran und assen auf der Passhöhe zu Mittag. Von dort aus hatten wir erstmals einen herrlichen Blick auf den noch weit enfernten und berühmten Monte Fitz Roy.
Man kann für die gesammte Strecke ein Pferd mieten, welches einem das Gepäck durch das schwierige Gelände trägt. Dies ist natürlich vor allem bei Fahrradtourern sehr beliebt. Da der Weg extrem beschwerlich und häufig tief eingegraben ist. Dadurch hat man mit den vorderen Taschen keinen Platz und muss den Weg mit diesen noch einmal separat durchlaufen. Da diese Pferde Mieterei aber nochmals viel gekostet hätte, nahmen wir die zusätzliche Mühe auf uns. Wir banden die vorderen Taschen einfach zusätzlich auf den Gepäckträger und konnten so sogar einige Passagen fahren. Der Weg war wirklich sehr mühsam und wir mussten unzählige Bäche überqueren und unsere Räder, welche auf dieser Strecke enorm zu leiden hatten, durch tiefen Schlamm ziehen. Da wir über den Lago Desierto wieder eine Fähre nehmen mussten und diese um sechs Uhr fuhr, hatten wir gegen den Schluss einen ziemlichen Stress.
Wir hatten anfänglich nicht damit gerechnet es noch am selben Tag auf die Fähre zu schaffen und konnten deshalb die letzten 35 Kilometer auch noch an diesem Tag zu fahren. Ziemlich geschafft kamen wir am späten Abend in El Chalten an.
Die Hotelsuche in diesem sehr touristischen Ort stellte sich als eine schwierige Sache heraus. Die vielen noblen und modernen Hotels sind nämlich fast alle auf Wochen ausgebucht und die Preise sind für Südamerikanische Verhältnisse schwindelerregend hoch. Da es aber schon elf Uhr Abends war und wir uns kaum noch auf den Beinen halten konnten, nahmen wir die hohen Preise (65CHF) in Kauf und suchten nicht lange weiter.
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