Sonntag, 27. Dezember 2009

Etappe Puerto Montt - Coyhaique

Distanz: 390km
Hm: 1000
Gesammtdistanz: 4800km

Hitchhiking: 250km

Isla Chiloe
Südlich von Puerto Montt liegt die Insel Chiloe. Sie ist etwa 250 km lang und die Hauptverkehrsader Richtung Süden führt über diese Insel. Die regenreiche, oft neblige Insel gilt heute bei vielen als das chilenischste Fleckchen des Landes. Da sie lange Zeit von der Regierung ignoriert wurde, entwickelte sich eine einzigartige Kultur, die immer noch von den ersten Siedlern, den Spaniern, geprägt ist.

75km nach Puerto Montt kamen wir an der Fähranlegestelle an und überquerten die kurze Strecke auf die Insel. Uns fielen während der Fahrt die unzähligen Kirchen auf, an denen wir vorbei kamen. Später erfuhren wir, dass es auf der verhältnissmässig kleinen Insel ganze 150 Kirchen gibt.




Typisch für Chiloe sind auch die auf Stelzen gebauten Häuser

Drei Tage später setzten wir mit der nächsten Fähre wieder aufs Festland über. Die Fahrt in der modernen Fähre dauerte acht Stunden.

Morgens um sieben legte sie in Chaiten an. Laut unserem Fahrradführer ist das Dorf 3000 Einwohner gross und besitzt einen pionierhaften Charme. Wir fuhren jedoch an diesem Morgen durch menschenleere Strassen, an unzähligen geschlossenen Hotels, verfallenen Häusern und Autofracks vorbei.
Erst später erfuhren wir von unserem Hotelbesitzer, dass es vor einem Jahr in der Nähe einen Vulkanausbruch gegeben hatte, der das ganze Gebiet mit Asche bedeckte, unzählige Häuser zerstörte und das Land für die Landwirtschaft unbrauchbar machte. Dadurch wurde die zuvor lebhafte Stadt zur Geisterstadt.
Carretera Austral
Jetzt befanden wir uns am Beginn der Carretera Austral. Mit dem Bau einer durchgehenden Strasse durch chilenisch Patagonien, wurde erst vor ca. dreissig Jahren begonnen. Das Militär fräste eine rund 1200 km Schneise durch das schwierige Gelände und kam erst 1999 in Villa O'Higgins an. Auf dieser Strecke leben kaum 100'000 Einwohner, davon die hälfte in der Stadt Coyhaique.


Am Abend des zweiten Fahrtages trafen wir auf zwei weitere Tourenfahrer. Zusammen übernachteten wir auf einem Zeltplatz. Florian und Laure sind Geschwister aus Frankreich.
Die nächsten Tage hatten wir mit Dauerregen zu kämpfen. Von Einheimischen erfuhren wir, dass dies an einem Mikroklima liegt, das von Puerto Montt bis nach Coyhaique vorherrscht.
Dadurch ist das Gebiet eines der regenreichsten der Welt und lässt undurchdringlichen Regenwald spriessen. Teilweise schien es so, als ob der Wald auf beiden Seiten der Schmalen Strasse ein Dach über diese bilden würde. Durch den strömenden Regen schwollen die Flüsse an und um uns herum stürzten Wasserfälle in die Tiefe und auf die Strasse.




Da die Geschwister noch auf ihre Eltern trafen, die mit dem Auto zeitgleich eine ähnliche Reise unternahmen, fuhren wir getrennt weiter. Bereits am nächsten Abend trafen wir uns in einem kleinen Dorf wieder. Da die Unterkünfte ziemlich teuer waren, bezogen wir zu viert ein Cabañia (kleines Ferienhäuschen mit Gemeinschaftsraum und Küche).
Das Wetter besserte sich nicht und dadurch stiegen wir die nächsten Tage bis Coyhaique vermehrt aufs Hitchhiken um.

In Coyhaique
Weihnachten verbrachten wir in Coyhaique. Zuvor dachten wir, es werde bestimmt speziell Weihnachten einmal im Hochsommer zu verbringen. Da es aber noch immer nicht aufgehört hat zu regnen und tagsüber die Temperaturen unter 10 Grad sind, erinnert es doch ziemlich an ein Weihnachten in der Schweiz. Trotzdem verbrachten wir einige ruhige Tage hier und konnten uns erholen. Es stehen uns noch viele schwierige und spärlich bewohnte Kilometer bis Villa O'Higgins bevor, von wo es dann hinüber nach Argentinien geht.

Wir wünschen allen Frohe Festtage und ein gutes neues Jahr

Sonntag, 13. Dezember 2009

Etappe Antofagasta - Puerto Montt



Distanz: 710km

Hm: 2500
Gesammtdistanz: 4410km

Bus: 1900km


Einmal laengs durch Chile
Suedlich von Antofagasta gibt es tausend Kilometer lang nichts, ausser kaum besiedelter Wueste. Wir entschieden uns also fuer eine zehnstuendige Busfahrt nach La Serena. Von dort stiegen wir wieder auf unsere Raeder und fuhren dem Meer entlang richtung Viña del Mar, einem beliebten Ferienort fuer die Leute aus Santiago. Die Strecke war jedoch immer noch sehr von der nahen Atacamawueste gepraegt, sehr trocken und zum Teil ein extremes auf und ab. Trotzdem kamen wir am ersten Tag gut voran und fanden einen schoenen Campingplatz inklusive Swimmingpool.
Immer diese ehlende Sonne

Am naechsten Tag wurde das Gelaende jedoch noch muehsamer und wir kamen nur noch sehr langsam vorwaerts. Eine Steigung groesser als die andere. Bereits am fruehen Nachmittag hatten wir keine Lust mehr und versuchten mit Autostopp unser Tagesziel doch noch zu erreichen. Zwei Stunden lang kam es allerdings niemandem in den Sinn anzuhalten und uns mit zu nehmen. Wir hatten schon beinahe aufgegeben, als auf einmal ein riesiger LKW anhielt und uns fragte was wir fuer ein Problem haetten. Ziemlich erstaunt ueber dessen anhalten, da wir dem LKW nicht mal ein Zeichen gegeben hatten, erwiederten wir, dass wir zwar kein Problem haetten, aber eine mitfahr Gelegenheit suchten. Da konnte er natuerlich schlecht nein sagen und nahm uns mit. Erst spaeter wurde uns klar, das wir genau in dem Zeitpunkt in dem der LKW hielt, ein neuartiges SOS Autobahn Telefon bestaunten. Der LKW Fahrer hat wohl angehalten, weil er dachte, wir riefen dort um Hilfe. Der Fahrer war trotzdem ein sehr netter Typ und fuer uns war es ein cooles Erlebniss, einmal in einem typisch amerikanischen vierzig Toenner mitzufahren.

Die naechsten zwei Tage waren wieder um einiges angenehmer und wir erreichten Viña del Mar.



Dort verbrachten wir einige schoene Tage und nahmen dann den naechsten Bus ins hundert Kilometer entfernte Santiago de Chile, die Hauptstadt des Landes. Wir nahmen uns einige Tage Zeit, um die Stadt und die Menschen dort besser kennen zu lernen. Mit einer Bahn, aehnlich dem Polibaehnchen, kann man auf einen mitten im Zentrum liegenden Huegel fahren. Von dort geniesst man einen herrlichen Aussblick. Die Groesse der Stadt ist ueberwaeltigend, um wieder aus der Stadt hinaus zu kommen, haetten wir mit dem Fahrrad einen ganzen Tag gebraucht.


Santiago de Chile (5.5Mio Einwohner)


Da Chile ueber 4300 Kilometer lang ist und uns die Geduld und Zeit fehlt, die ganze Strecke unter unser eigenen Raeder zu nehmen, stiegen wir wieder auf den Bus um, um einen weniger interessanten Teil des Landes auszulassen.
Suedlich von Temuco erstreckt sich das Seenland von Chile, das jaehrlich viele ein- und auslaendische Touristen anlockt.
Mit dem Fahrrad durchfuhren wir einen grossen Teil dieses Seenlandes. Die Fahrt entlang der glitzernden Seen und durch die grossen Laubwaelder errinnerte uns immer wieder an zu Hause. Wie wir bemerkten, wird dieses Gebiet nicht umsonst auch chilenische Schweiz genannt.






In Villarica fanden wir per Zufall das Hotel Torre Suiza, das einem schweizer Paeaerchen gehoert, das waerend einer Weltreise mit dem Fahrrad hier haengengeblieben ist und dieses Hotel eroeffnet hat. Dort bezogen wir ein kleines aber teures Zimmer. In diesem Gebiet gibt es einige schneebedeckte Vulkane und wir entschieden, den Vulkan Villarica zu besteigen. Der Vulkan Villarica ist der aktivste von ganz Suedamerika, 2840 Meter hoch und ein richtiger Bilderbuch Vulkan.




Leider ist er auch ziemlich einfach zu besteigen, was ihn fuer Touristen sehr beliebt macht. Im Sommer erklimmen taeglich bis zu 200 Touristen den Vulkan. Da man ihn nur in gefuehrten Gruppen besteigen darf, meldeten wir uns fuer eine solche an. Am naechsten Morgen galt es erst einmal, alles Material zu fassen (Bergschuhe, Steigeisen, Pickel, Gamaschen ect.). Wir waren zum Glueck in einer relativ kleinen Gruppe mit drei Fuehrern und zehn Personen. Mit einem Bus fuhren wir bis auf 1400 m.ue.M. Die Fuehrer erkaerten uns, der Aufstieg dauert ca. 4 - 5 Stunden und das man von hier aus entweder allles laufen, oder fuer die ersten 400hm einen Lift nehemen kann. Die meisten entschieden sich fuer die zweite Variante. Da dieser Ausflug aber ohnehin schon ziemlich teuer war und der Lift nochmals extra gekostet haette, liefen wir lieber alles. So konnten wir wenigstens ein schnelleres Tempo laufen und mussten nicht mit der grossen Masse gehen. Wir hatten einen sehr jungen Fuehrer, dem es offensichtlich Spass machte, einmal ein bisschen Gas geben zu koennen. So ueberholten wir schon bald die meisten Gruppen, die den Lift genommen hatten und standen nach ca. 2.5 Stunden beinahe als erste auf dem Gipfel. Der Ausblick war ueberwaeltigend und aus dem sehr eindruecklichen Krater qualmte es stark. An einigen Tagen kann man sogar brodelnde Lava im Krate beobachten. Leider war dies an diesem Tag nicht der Fall.

Auf dem Gipfel


Der Krater


Nun ging es an den Abstieg. Dieser ist hier ziemlich speziell. Jeder bekam eine Plane, die man wie ein Klettergrurt anziehen kann. Auf dieser rutscht man dann den ganzen Berg hinunter. So spart man Zeit und es macht zusaetzlich einen riesen Spass.



Dieser Tag war fuehr uns eine sehr willkommene Abwechslung. Die naechsten Tage fuhren wir weiter den Seeen entlang Richtung Puerto Mont, wo wir nun einige Tage verbracht haben. Puerto Mont ist sozusagen das Tor zu Patagonien. Da in ganz Patagonien nur ca. 200 000 Personen leben, erwarten uns dort nun laengere Zeit keine grossen Staedte mehr. So genossen wir unseren Aufenthalt hier gleich doppelt.

Morgen geht es nun weiter zuerst auf die Insel Chiloe und danach der beruehmten Carretera Austral entlang nach Sueden.

Dienstag, 17. November 2009

Etappe Uyuni - Antofagasta

Distanz: 370km

Hitch-hiking/Zug: 400km


Gesammtdistanz: 3700km


Zur Chilenischen Grenze

Da uns die Strecke bis an die Chilenische Grenze zu beschwerlich sein würde, wollten wir uns von einem Lastwagenfahrer mitnehmen lassen. Also warteten wir bei der einzigen Tankstelle der Stadt auf einen Lastwagen in diese Richtung. Jedoch mussten wir nach vier Stunden erfolgloser Suche unser Vorhaben aufgeben, da die Strecke auch für Lastwagen sehr beschwerlich ist.

Am nächsten Morgen nahmen wir den Zug - ein Güterzug mit einem Passagierwaggon -bis an die chilenische Grenze. Dort wurden wir das erste Mal peinlich genau kontrolliert.


Fast nach El Tatio und bei den Carabineros

Die Strasse in Chile war oft in schlechtem Zustand, aber trotzdem befahrbar. Kaum einmal wurden wir von einem Autofahrer überholt und bewohnte Häuser sahen wir Tagelang auch kaum.




Da wir das berühmte Geysirfeld von El Tatio besuchen wollten, bogen wir am zweiten Tag der Etappe auf eine unbefestigte Sandstrasse ab. Aus Mangel an Proviant steckten wir die jeweiligen Tagesziele sehr hoch und liessen uns immer wieder von einem Autofahrer ein Stück mitnehmen.


Am Abend, während unserem Nachtessen, fuhr ein Geländewagen an uns vorbei. In aller Eile packten wir alles wieder zusammen und liessen uns zwanzig Kilometer weiter den Berg hinauf fahren. Der Fahrer erklärte uns, nach Inacaliri, einem Polizeiposten mit Versorgungsmöglichkeiten, seien es noch fünfzehn Kilometer. Wir rechneten damit, es am nächsten Tag bis nach El Tatio zu schaffen.


Am nächsten Morgen merkten wir jedoch, dass wir mit dieser Rechnung zu optimistisch waren. Fast den ganzen Tag mussten wir unser Fahrrad durch den Sand schieben. Es war schon ein Erfolgserlebniss, einige hundert Meter fahren zu können. Ein Kilometer vor der lang ersehnten Polizeistation kam uns ein Polizeiwagen entgegen. Sofort boten sie uns an uns zum Posten zu fahren. Inacaliri besteht nur aus diesem Polizeiposten und einigen Lagerräumen. Man empfing uns herzlich und kochte uns sofort ein Mahlzeit, die aus Risotto, Linsen, Würstchen, Brötchen und Kaffe bestand. Noch selten hatten wir uns so über etwas zu Essen gefreut, wie dieses Mal.




Da die Strasse in einem derart schlechten Zustand war, wussten wir es aus eigenen Kräften nicht nach El Tatio zu schaffen. Wir hofften, das uns die Carabineros bis nach El Tatio fahren würden. Leider wurde daraus nichts, da El Tatio nicht mehr in ihrem Überwachungssektor (sie fahnden hauptsächlich an der Grenze zu Bolivien nach Drogenschmugglern) ist. Allerdings versprach man uns, uns am nächsten Morgen zurück auf die Hauptstrasse zu fahren. Nach einem zweiten Nachtessen und einem gemütlichen Abend schlüpften wir, in einem kleinen Büro, erschöpft in unsere Schlafsäcke. Am Morgen schnallten wir die Räder auf den Pick-up der Polizei und fuhren zur Hauptstrasse. Die Polizisten waren offensichtlich sehr stolz auf ihre Arbeit und das Gebiet, denn sie hielten immer wieder an, um uns dieses und jenes zu zeigen. Darunter auch eine illegale Kreidemine.


Touristenführung mit Chilenischen Carabineros


Die Atacamawüste

Auf der Hauptstrasse kamen wir endlich wieder gut voran, am Tag zuvor schafften wir in acht Stunden 26 Kilometer, und fuhren nach Calama. Dort legten wir einen Ruhetag ein und durchquerten die Wüste Atacama. Da uns ab dem Mittag ein stürmischer Wind entgegenbliess, schnallten wir auch diesmal unsere Fahrräder auf einen Pick-up um es in einem Tag nach Antofagasta zu schaffen. Durch den Fahrtwind verloren wir leider einen Wassersack mit unseren neu gekauften Schlafmatten.

Da die nächsten tausend Kilometer durch die knochentrockene Atacama führen, beschlossen wir, auf den Bus umzusteigen um nach La Serena zu fahren.


In Calama befindet sich das Grösste Loch (Mine )
der Welt. Dafür braucht es auch die grössten Maschinen



Durch die trockenste Wüste der Welt


Rückblick Bolivien:



Unangenehme Eigenheiten:

  • Bis auf die Wichtigsten Verkehrsachsen sind kaum Strassenasphaltiert.
  • In vielen Gebieten gibt es kaum Versorgungsmöglichkeiten.
  • Das Essen ist schlechter als in Peru und Ecuador.
Angenehme Eigenheiten:
  • Wie in Peru sind uns die Menschen sehr offen und nett begegnet.
  • Obwohl grosse Gebiete sehr trocken und karg sind, empfanden wir die Landschaft als sehr schön.
  • Die Preise für Dienstleistungen sind oft tiefer als in Peru.

In vielen Belangen, sind sich Peru und Bolivien aber sehr Ähnlich.

Samstag, 7. November 2009

Etappe La Paz - Uyuni

Distanz: 600km

Hitch-hiking: 85km

Gesamtdistanz: 3330km

Zur letzten Etappe haben wir diesen kleinen Film zusammengestellt.

Wir befinden uns jetzt in Uyuni, beide mit einem gehörigen Sonnenbrand. Die Stadt scheint ausschliesslich vom Geld der Touristen zu leben, die im Umkreis eine Geländewagentour machen wollen, denn viel mehr hat die Stadt nicht zu bieten. Allerdings sind wir froh, nochmals die Annehmlichkeiten der Zivilisation geniessen zu können. Vor uns liegt nämlich ein wenig besiedelter Abschnitt, der jedoch an Schönheit kaum zu übertreffen sein soll.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Etappe Cusco - La Paz

Distanz: 650km
Hm: 2200

Gesamtdistanz: 2730km


Nach Puno


Nach einigen erholsamen Tagen, in denen wir Macchupichu besichtigten und unsere gestohlenen Sachen wieder organisierten, verliessen wir voll neuem Elan Cusco, um weiter in Richtung Süden und Titicacasee zu radeln. Leider fühlte sich Tobi am Abend des zweiten Tages nicht wohl, also mussten wir einen weiteren Ruhetag einlegen. Da die Strecke Cusco - Puno eine begehrte Strecke für Touristen ist, wurden uns viel weniger verwunderte Blicke von Einheimischen zugeworfen. Allerdings stiessen wir wie auch schon vorher, auf viele zuvorkommende und freundliche Menschen. Eines Nachmittags, als wir noch auf unseren Rädern sassen verdunkelte sich plötzlich der Himmel und wir wussten, dass ein Unwetter bevorstehen würde. Also traten wir noch stärker in die Pedalen um es rechtzeitig ins nächste Dorf zu schaffen. Zu unserer Enttäuschung, bemerkten wir jedoch, dass das auf der Karte eingezeichnete Dorf gar nicht existierte. Wir mussten also noch zwanzig Kilometer weiter, wenn wir eine trockene Unterkunft finden wollten. Nach kurzer Zeit fing es heftig zu Regnen an, daraus wurde Schneeregen und schliesslich sogar Hagel. Im nächsten kleinen Dorf hatten sich die schmalen Strassen in reissende Bäche verwandelt. Verzweifelt und durchnässt suchten wir nach einem Hospedaje, was es, wie wir erfuhren, in diesem Dorf jedoch nicht gab. Schlussendlich wurden wir zu unserer Freude von einem Klosterbruder in ein spartanisch eingerichtetes Zimmerchen neben der Kirche geführt. Sogleich bat er uns in die Küche, wo uns Kaffe und Brot angeboten wurde. Von ihm erfuhren wir, dass sich das Wetter in diesem Gebiet die Hälfte des Jahres so ungemütlich verhält. Am nächsten Tag fuhren wir nach Puno, wo wir einen Ruhetag verbrachten.







Nach La Paz
Der grösste Teil dieser Ettappe führte die Strasse am imponierenden Titicacasee entlang. Er liegt auf 3800 m.ü.M und ist ca 200km lang. Während der Fahrt sahen wir den See aus allen Winkeln und waren immer wieder beeindruckt vom tiefblau schimmernden Wasser. Als wir eines Abends schon das Zelt aufgestellt hatten, und die Abendsonne genossen kamen zwei Jungen auf einem Esel geritten um die Gringos zu betrachten. Wir luden sie zum Nachtessen ein, das wie so oft aus Teigwaren und Tomatensauce bestand. Da hier nur einfache Bauern leben gelten Teigwaren als Leibspeise, die die Jungen normalerweise nur Sonntags geniessen können. Während dem äusserst unterhaltsamen Abend erfuhren wir viel über das Leben der Menschen in dieser Gegend. Zwei Tage später erreichten wir am Mittag die Agglomeration von La Paz. Die Fahrt durch die von Minibussen und Lastwagen verstopfte Strasse war nervenaufreibend. Irgendwann erreichten wir jedoch das Tal, in dem La Paz liegt. Der Anblick hinunter auf die Stadt, deren Häuser bis zum Horizont reichen, war atemberaubend. Das Zentrum liegt am tiefsten Punkt der Stadt, also konnten wir die Fahrt ohne Anstrengungen geniessen. Das Grossstadtfeeling in La Paz gefällt uns sehr gut, deshalb werden wir etwa vier Tage hier verbringen.


Rückblick Peru
Unangenehme Eigenheiten
  • Oft besitzen Restaurants und Läden keinerlei Wechselgeld. Meist rennt nach jedem Einkauf ein Mitarbeiter aus dem Laden, um Kleingeld zu organisieren, auch wenn es sich um Beträge von umgerechnet 80 Rappen handelt.
  • In allen Restaurants läuft mindestens ein Fernseher mit stumpfsinnigen Sendungen, vergleichbar mit "Gute Zeiten schlechte Zeiten".
  • Leute die einzelne Brocken Englisch können, sind derart stolz darauf, dass sie mit uns kein spanisch sprechen wollen, obwohl dies meist einfacher zu verstehen wäre als ihr schlechtes Englisch.
  • Manche Leute haben keinerlei Hemmungen auf offener Strasse ihr Geschäft zu verrichten.
Angenehme Eigenheiten
  • Die Menschen sind uns immer sehr zuvorkommend und freundlich begegnet. Dies zeigt der Umstand, dass wir niemals vergeblich nach einer Mitfahrgelegenheit fragen mussten.
  • Auch in den kleinsten Dörfern hat es ein einfaches Restaurant das ein günstiges Mittagsmenu anbietet.
  • Sobald die Einheimischen bemerken, dass wir ein wenig spanisch sprechen, haben sie grosse Freude und werden gesprächig.
  • Das Land hat verschiedene Landschaftliche Grossräume zu bieten. Dazu gehören: Wüste, Urwald, Hochgebirge und Altiplano.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Etappe Huaraz - Cusco

Distanz: 669km
Hm: 6200m

Gesamtdistanz: 2080km


Hitchhiking/Bus: 750km




Von Huaraz auf 4800 m.ü.M

Wir wussten, dass uns auf der nächsten Etappe zwei hohe Andenpässe erwarten würden. Den ersten tag wollten wir langsam angehen, damit wir auf unter 4000 m.ü.M übernachten konnten. Am Morgen des zweiten Tages kamen wir an einer Kontrollstation des vor uns liegenden Nationalparks vorbei. Dort trafen wir auf einen Amerikaner, der auch mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er schloss sich uns an und so nahmen wir die nächsten Hürden zu dritt in Angriff. Im Laufe des Tages bemerkten wir, dass Ben, unsere Begleitung, keinerlei Proviant bei sich hatte. Da wir jedoch mehr als genug davon hatten, gaben wir gerne etwas davon ab, wofür er sehr dankbar war. Der Weg führte in gleichmässiger Steigung den Hang hinauf. Nach dem ersten Pass und einer rasanten Abfahrt mussten wir uns über einige kurze aber kernige Anstiege ein zweites Mal auf über 4800 m.ü.M hinaufstrampeln. Danach wartete eine endlos lange Abfahrt auf uns, die wir in vollen Zügen genossen. Im nächsten Dorf angekommen nahmen wir ein verfrühtes Nachtessen ein und suchten uns eine günstige Unterkunft. Ein Nickerchen später machten wir uns für ein zweites Nachtessen auf.
Die nächsten Zwei Tage fuhren wir weiterhin zu dritt über einen kleineren Pass und eine 50km lange Abfahrt nach Huanuco um uns dort ein paar Tage Ruhe zu gönnen.




unterwegs Richtung 4800m.ü.M.






Auch auf 4500 m.ü.M leben hier Menschen




Zur höchsten Stadt der Welt

Cerro de Pasco, die höchste Stadt der Welt, liegt 2400 Meter höher als Huanuco auf 4300 m.ü.M. Da die Strasse jetzt aber wieder Asphaltiert war, konnten wir uns einige Arbeit ersparen, indem wir uns immer wieder für einige Kilometer an Lastwagen klammerten. Oben angekommen trennten wir uns von unserer Begleitung, weil Ben dort auf die Eisenbahn umsteigen wollte. Wir übernachteten in Junin und genossen am darauffolgenden Morgen das günstigste Frühstück aller Zeiten. Wir bezahlten für zehn Brötchen, vier Spiegeleier und drei Tassen Kaffe umgerechnet 70 Rappen. Nun ging es annähernd zwei Tage abwärts nach Huancayo. Am Ende des zweiten Tages holte uns Ben überraschenderweise wieder ein, denn er musste in Cerro de Pasco feststellen, dass die Eisenbahn ausschliesslich Güter transportiert.




Kaffe kochen am Abend (Danke Tamara und Jonas)


Lama auf der Strasse







Hitchhiking

Da die folgenden Kilometer auf Grund der schlechten Strassenverhältnissen sehr beschwerlich geworden wären, beschlossen wir, uns ein weiteres mal als Anhalter zu versuchen. Wir fuhren mit Hilfe von zwei Lastwagen, für die der Weg kaum weniger beschwerlich war, nach Ayacucho und nahmen dort einen Bus nach Cusco. Leider wurde uns während der Fahrt ein Rucksack gestohlen. Cusco ist die unumstrittene Tourismusmetropole von Peru. Wir werdem uns hier einige Tage erholen, die gestohlenen Gegenstände ersetzen und Machu Picchu besichtigen. Bald geht es weiter zum Titicacasee und schliesslich nach La Paz, Bolivien.




Hitchhiking

Freitag, 25. September 2009

Etappe Trujillo - Huaraz

Distanz: 311 km
Hm: 3300 m
Gesamtdistanz: 1411km


Ab in die Berge
Nach einem längeren Aufenthalt in Trujillo, führte uns unsere Route in die Cordilleras Blancas, den zweithöchsten Gebirgszug der Erde. Vor Chimbote verliessen wir die Hauptstrasse und bogen auf eine Schotterstrasse ab. Durch eine leichte Steigung gewannen wir stetig an Höhe. Leider kamen wir nicht so schnell voran, da die Strasse in sehr schlechtem Zustand war. Die Schönheit der kargen Landschaft entschädigte uns jedoch für alle Mühen. Die Strasse folgte einem endlos scheinenden Tal, in das der Fluss furchteinflössende Schluchten gegraben hatte. Es war ein eigenartiges Gefühl, 200km dem selben Tal zu folgen und dabei kaum auf Zivilisation zu treffen. Gegen Ende eines Tages kamen wir an einem einsam gelegenen Restaurant vorbei. Nach einem kühlen Bier, fragte uns der Besitzer ob wir auf seinem Grundstück zelten wollten. Er versprach uns sogar ein kleines Nachtessen. Wir waren jedoch ziemlich enttäuscht, als wir bemerkten, dass dieses nur aus Käse und Kräckern bestand. Also kochten wir uns später eine richtige Mahlzeit.
Jetzt sind wir in Huaraz, um zwei Ruhetage einzulegen. Huaraz ist eine touristische Stadt, vor allem weil sie als Ausgangspunkt für viele Bergtouren auf die umliegenden Sechstausender gilt.
Lucho, der Besitzer der Casa de Ciclistas
Findet Walter

Auch Lastwagen und Busse befahren diese Strasse



Donnerstag, 17. September 2009

Etappe: Machalla - Trujillo

Distanz: 580km

Gesamtdistanz: 1100km


In Peru


Einen Tag nach Machalla überquerten wir die peruanische Grenze. Bereits am ersten Abend fielen uns interessante Unterschiede auf. Zum Beispiel die unzähligen Mototaxis (Ausgebautes Motorrad mit drei Rädern und einer Sitzbank für die Fahrgäste) die zu tausende
n in den Peruanischen Städten herumschwirren und uns schon häufig mit ihrer aggressiven Fahrweise zur Verzweiflung brachten. Die Städte hier sind zwar chaotischer, dafür aber um so lebhafter. Die Restaurants und Läden errinnern wieder mehr an Europa, leider auch durch mehr ungesundes Essen.
Die Menschen hier sind nett und herzlich, wir hatten lustige
Gespräche und wurden einige Male eingeladen. Leider haben wir auch schon Erfahrung mit korrupten Polizisten, sowie einem Trickbetrüger gemacht. Letzterer hat mit uns durch sein geschicktes Verhalten 300 Soles (100Fr) Falschgeld, gegen Echtes getauscht.
Sonst gefällt es uns hier in Peru sehr gut.





Strand - viel Wind - Casa de Ciclistas


Einen Tag Pause machten wir in Mancora, einem berühmten Ba
deort in Peru. Es sei der einzige Ort um diese Jahreszeit, wo das Meer genügend warm ist zum Baden. Wir genossen einen Tag am Strand und setzten danach unsere Reise fort. Am Tag nach Mancora hatten wir aber mit sehr starkem Gegenwind zu kämpfen. Die Landschaft verwandelte sich zunehmend in eine Wüste. Als am darauffolgenden Tag der Wind noch stärker bliess und wir kaum noch vorankamen, gaben wir uns geschlagen. Wir versuchten uns zum ersten Mal als Anhalter. Ein Pickup Fahrer brachte uns in die nächste Grosse Stadt und handelte für uns in einem Hotel einen guten Preis aus.
Da sich auf den folgenden Kilometern nichts än
dern würde, liessen wir eine Etappe aus und nahmen einen Bus.
Die letzten 200 Km fuhren wir wieder selbst. Aus der schon kargen Landschaft wurde mehr und mehr eine Sandwüste.
Einige Tage zuvor begegnete uns ein anderer Radtourist und empfahl uns eine Unterkunft in Trujillo, speziell für Radfahrer und gratis. Dort angekomme
n empfingen uns vor dem Haus gleich drei andere Tourenfahrer. Lucho der Hausherr zeigte uns unser Zimmer. Beim Einschreiben bemerkten wir, dass bereits 1185 andere Radfahrer vor uns hier waren (u. a. Claude Marthaler).
Lucho betreibt eine kleine Werkstatt und ist ein ausgez
eichneter Mechaniker. Er beseitigte alle Mängel die an unseren Rädern aufgetreten waren.
Hier lernten wir den Gast Heinz kennen, ein Deutscher, der schon seit 1963 ununterbrochen mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er hat bereits jedes Land (keine Übertreibung!!!) und beinahe jedes Gebiet der Erde besucht, und trachtet nach dem Weltrekord.

Einen Kurzbesuch erhielten wir auch von einem Schotten, welcher den Geschwindigkeitsrekord auf der Route Transamerika (Alaska - Ushaja) aufstellen will. Der aktuelle Rekord liegt bei 140 Tagen!
Unser Zimmer ist leider sehr klein und hat nur ein Bett. Desshalb werden wir voraussichtlich noch für 2 Nächte in ein Hostal ziehen.

Wir haben beschlossen auf dem Weg nach Bolivien, Lima auszulassen und schon früher in die Anden, Richtung Cusco zu fahren.



In der Wüste:








Sonntag, 6. September 2009

Etappe Baños - Machalla

Distanz: 324 km
Höchster Punkt: 3815m.ü.M

Gesamtdistanz: 520km


Ins Flachland
Die zweite Etappe Führte uns auf eine Höhe von 3800 m.ü.M., wo wir eine kühle Nacht verbrachten. Danach lag eine endlos lange Abfahrt vor uns, welche uns eine Menge Nerven kosten sollte. Die Abfahrt war für unsere Fahrräder eine grosse Belastung. So hatten wir innerhalb eines Tages vier Fahrradpannen. Das sprintartige flüchten vor angreifenden Hunden, war für uns schon zur Routine geworden. Als sich jedoch vier Hunde gleichzeitig auf uns stürzten, musste Adi in den Strassengraben ausweichen. Mit einigen Prellungen und Schürfwunden konnte er nach einem kurzen Halt weiterfahren.
Leider haben wir, seit wir im Flachland sind kaum Sonnenstrahlen gesehen. Es ist ununterbrochen bewölkt und oft nieselt es leicht. Weiter leiden wir an den vielen Moskitostichen, die wir uns an einem Abend beim Zelten zuzogen. Auf Meereshöhe kamen wir aber bedeutend schneller voran und sind jetzt in einem Hotel in Machalla, nahe der Peruanischen Grenze.
Scheiss Hunde!
Aussicht auf den Chimborazo 6267 m.ü.M
Vom Erdmittelpunkt aus gemessen, der Höchste Berg der Welt.
Bananenfelder nahe Machalla,
der selbsternannten Bananenhauptstadt der Welt

Dienstag, 1. September 2009

Etappe: Quito - Baños


Distanz:
196km
Hm: 2000m
Fahrtage: 4
Hoechster Pkt: 3520m.ue.M.

Trotz allen Bedenken, kamen wir samt allem Gepaeck und funktionstuechtigem Fahrrad in Quito an. In unserer drei taegigen Akklimation lernten wir die Stadt kennen. Am Morgen des vierten Tages stiegen wir das erste Mal auf unsere Fahrraeder und fuhren auf der Panamericana nach Sueden. Dabei bereitete uns die grosse Hoehe und das endlose auf und ab des Gelaendes am meisten Schwierigkeiten. Momentan befinden wir uns in einem Hostel in Baños, um uns zu erholen. Die Stadt ist beruehmt fuer ihre Thermalbaeder und ihr Angebot an Outdooraktivitaeten.
Die Baeder sind fuer die Einheimischen das Hoechste der Gefuehle, uns komfortgewohnte Schweizer errinnert dieses jedoch an einen warmen, braunen Tuempel. Trotzdem tat es uns sehr gut. Morgen gehts weiter Richtung Sueden und Flachland.

Hasta luego

Materialschlacht und Velo
zaemebaue in Quito

ab Richtig suede.

Meerschweinli am Spiess, probiert hemmer
noni aber das chunt no.